Problemfall Piercing – wie sollten Eltern damit umgehen?

Problemfall Piercing – wie sollten Eltern damit umgehen?

Ein Ring durch die Nase, einer durch die Augenbraue und ein glitzernder Stecker im Bauchnabel – immer mehr Eltern müssen sich mit dem Problemfall Piercing auseinandersetzen, denn immer mehr Teenager lassen sich piercen. Piercing ist IN, denn mit diesem Körperschmuck wollen die Kids ein Statement setzen und auf sich aufmerksam machen. Wenn sich aber minderjährige Kinder ein Piercing zulegen, dann kann das zu Problemen führen, vor allem, wenn die Eltern mit diesem Piercing nicht einverstanden sind.

Wie können Eltern dem Problemfall Piercing begegnen?

Die meisten Teenager schwanken beim Thema Piercing zwischen Angst und Mut, denn wer sich ein Piercing stechen lassen möchte, der darf nicht zimperlich sein. Was sollten Eltern tun, wenn ihre Kinder sich piercen lassen möchten? Das Beste ist es, dem Problemfall Piercing offen gegenüber zu treten und mit den Kindern alle relevanten Fragen zu besprechen. So spielt es zum Beispiel eine große Rolle, wo das Piercing gestochen werden soll und welche Größe es haben soll, auch die Frage, ob ein Loch zurückbleibt, sollte beantwortet werden. Eltern sollten ihren heranwachsenden Kindern vor Augen halten, dass ein Piercing und seine Folge unter Umständen eine Entscheidung fürs ganze Leben ist. Mit den Kindern offen diese Frage zu besprechen, zwingt die Teenager, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, und viele entscheiden sich nach einem Gespräch mit den Eltern gegen ein Piercing.

Die Kinder begleiten

Wenn sich die Kinder gegen die Einwände der Eltern für das Piercing entschieden haben, dann sollten Vater oder Mutter den Entschluss akzeptieren und zusammen mit den Kindern eine Art Leitfaden zusammenstellen. Für jedes Piercing gilt, es muss handwerklich perfekt gemacht werden, wobei Hygiene ebenso wie professionelles Arbeiten ein Muss ist. Beim Piercing entsteht eine künstlich erzeugte Wunde und diese Wunde bleibt eine „offene Tür“ für Keime und andere Erreger, und zwar so lange, bis das Piercing vollständig verheilt ist. Eltern sollten im Problemfall Piercing auch nicht verschweigen, dass es Risiken wie Nachblutungen und Infektionen geben kann. Zudem müssen sich die Teenager auf Einschränkungen beim Duschen, Baden oder beim Essen einstellen, wenn es sich um ein Zungen- oder Lippenpiercing handelt.

Wie sieht die rechtliche Lage aus?

Aus Sicht der Juristen ist der Problemfall Piercing streng genommen eine Körperverletzung, und jeder, der sich piercen lassen will, muss zuvor eine Einverständniserklärung unterschreiben. Wenn sich Minderjährige ein Piercing stechen lassen möchten, dann müssen die Eltern diese Erklärung unterschreiben. Ob ein Piercingstudio seriös arbeitet, das können Eltern an den Geschäftsbedingungen erkennen, die folgende Punkte enthalten sollten:

  • Kein Piercing für Teenager unter 14 Jahren
  • Piercings nur nach Vorlage des Personalausweises
  • Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren müssen sich vorher zusammen mit den Eltern beraten lassen
  • Gepierct wird nur, wenn ein Anamnesebogen aufgefüllt wurde

 

Den Problemfall Piercing begleitet aber noch eine wichtige Frage, und zwar: Wer ist aus rechtlicher Sicht überhaupt befugt, ein Piercing zu stechen? Den Beruf Piercer gibt es nicht und damit gibt es auch keine Ausbildung, diejenigen, die in einem Piercingstudio arbeiten, bewegen sich streng genommen in einer Art Grauzone. Allerdings gibt es seit 2007 ein Gesetz, das besagt, dass jeder, der Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse ist, an den Kosten für die Behandlung beteiligt wird, falls es nach dem Stechen eines Piercings zu Komplikationen kommt. Je nach Schwere der Komplikationen kann das für den Träger des Piercings oder für die Eltern sehr teuer werden.

Worauf sollte man beim Piercing achten?

Bevor es zum Problemfall Piercing kommt, sollten sich Eltern und Teenager das Studio sehr genau ansehen. Werden die Instrumente sterilisiert? Trägt der Piercer Einmalhandschuhe? Welches Material wird verwendet und gibt es ein Nachsorgeangebot? Ganz wichtig ist es zu fragen, wie viel Erfahrung derjenige der hat, der das Piercing stechen wird.

Bild: © Depositphotos.com / hurricanehank

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Autor(in)

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

2 Kommentare

  1. Avatar
    Lothar

    Etliche Teenager stellen sich bei gut gemeinten Informationen und Ratschlägen taub. Sie wollen cool und nicht vernünftig sein. Ergebnis: endlose Diskussionen. Regeln und Grenzen helfen hier. Unsere Tochter kam mit 15 Jahren auch auf solche Sperenzchen. Piercings in Nase, Zunge, Ohrläppchen (mindestens fünf, versteht sich) waren eine Zeitlang Mode in ihrer Klasse. Dementsprechend lag sie uns wochenlang damit in den Ohren. Wir haben es ihr verboten. Sie kann sich gern mit 18 dazu entscheiden. Dann ist sie volljährig und kann tun und lassen, was sie will. Vorher nicht. Was Jugendliche nämlich auch nicht durchschauen: Ihre Berufswahl kann es durchaus behindern, wenn gepierct und/oder tätowiert sind. Nicht jeder plant, seine Brötchen als Tätowierer zu verdienen. Bei etwas konservativeren Branchen hat man es schwer mit dieser Art von „Körperschmuck“.

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  2. Avatar
    Ulrike Kenast

    An sich finde ich Piercings unproblematisch, wenn sie nur im Ohr oder im Bauchnabel sind und professionell gestochen werden. Bei Mädchen sind mehrere Ohrlöcher pro Ohr fast schon die Regel. Was ich nicht erlauben würde, sind Tunnel, Nasenpiercings und Augenbrauenpiercings. Man darf tatsächlich nicht vergessen, dass aus hippen Jugendlichen mal Bürokauffrauen, Supermarktangestellte oder Floristen werden sollen. Im Bewerbungsprozess dürfen Piercings nicht zu sehen sein. Ich glaube, Gymnasiasten tendieren weniger zu derartig auffälligen Stylings als Haupt- und Realschüler. Da liegt die Gefahr: Jugendliche von Haupt- und Realschulen (oder Oberschulen, wie es mancherorts jetzt euphemistisch heißt) haben weniger Bildung und sowieso schon weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wenn sie dann zu „wild“ aussehen, finden sie wirklich nirgends einen Job. Man kann es mit Teenies so halten: Bis sie 18 sind, müssen sie sich nach elterlichen Vorgaben richten, danach sind sie frei. (Und meistens von selbst klug genug, um nicht zu weit zu gehen.) Zum Glück ist die rechtliche Lage, wie Sie in Ihrem Artikel aufzeigen, ja sehr eindeutig. Das ist eine große Erleichterung für Eltern.

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