Gallenschmerzen – unangenehm, aber meist harmlos

Gallenschmerzen – unangenehm, aber meist harmlos

Gallenschmerzen---unangenehm,-aber-meist-harmlosWenn das Essen besonders reichhaltig und gut war, dann führt das mitunter zu leichten Druckschmerzen im rechten oberen Bauchbereich. Wenn sich dann noch Völlegefühl, Blähungen, Durchfall oder Übelkeit dazugesellen, dann sind das untrügliche Zeichen dafür, dass sich die Galle gemeldet hat. Die Galle ist ein leicht reizbares Organ, das im Volksmund mit negativen Stimmungen in Zusammenhang gebracht wird, denn jedem ist schon mal „die Galle hochgekommen“ oder man hat „Gift und Galle gespuckt“. Vor allem Choleriker sind anfällig für Probleme mit der Galle, denn ihr oft ungezügeltes Temperament und die Neigung zu Wutausbrüchen bringen die Galle schnell mal in Wallung.

Wie funktioniert die Galle?

Jeden Tag werden in der Leber rund 800 Milliliter Gallenflüssigkeit produziert. Die in der Flüssigkeit enthaltenen Gallensäuren sind unverzichtbar für die Verwertung des Fettes, das mit der Nahrung aufgenommen wird, aber auch für die Aufnahme von Vitaminen, die fettlöslich sind. Durch das Kauen wird der Verdauungsprozess in Gang gesetzt und auch das Verdauungssekret aus der Leber wird dann zunächst in die sehr feinen und weitverzweigten Gallengänge und dann in den Zwölffingerdarm geleitet. Dann beginnt die Arbeit der Gallensäuren, die die Fette in der Nahrung in viele Tröpfchen zerlegen, die schließlich von den Enzymen in der Bauchspeicheldrüse verarbeitet werden, die für die Fettspaltung zuständig sind.

Wenn wir nichts essen, dann füllt sich die Gallenblase mit rund 50 Millilitern Gallenflüssigkeit, mehr kann die Galle nicht speichern und die Flüssigkeit dickt ein. Wenn es zu Gallenschmerzen kommt, dann kann das zwei verschiedene Ursachen haben: Zum einen kann es sein, dass nicht genug Gallenflüssigkeit in der Leber produziert wird, zum anderen ist es möglich, dass der Gallenfluss in den Darm, bedingt durch ein Hindernis, nicht abfließen kann.

Gallenschmerzen durch Gallensteine

Von Gallensteinen sind ca. 20 bis 30 % der Deutschen betroffen und viele wissen gar nicht, dass sie Gallensteine haben. Erst wenn die Steine eine bestimmte Größe erreicht haben, dann machen sie sich durch Gallenschmerzen bemerkbar. Gallensteine sind nichts anderes als hart gewordene Gallenflüssigkeit, denn wenn sich das Sekret verdickt, dann beginnt es zu kristallisieren, es bilden sich Steine. Die Schmerzen treten immer dann auf, wenn die Muskeln im Oberbauch versuchen, den Stein zu befördern, wenn das aber nicht gelingt, dann treten die starken krampfartigen Schmerzen auf. Gallenkoliken können nur wenige Sekunden dauern, ist der Stein aber groß genug, dann dauern die Schmerzen nicht selten bis zu 15 Minuten.

Ein sicheres Zeichen dafür, dass Gallensteine die Ursache für die Schmerzen sind, ist, wenn der Schmerz in die Schultern und in den rechten Bereich des Rückens ausstrahlt. Auch wenn es neben den Gallenschmerzen zu Übelkeit und Erbrechen kommt, dann sind sehr wahrscheinlich Gallensteine die Übeltäter.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Wenn die Galle Probleme macht, dann muss zunächst einmal festgestellt werden, was als Ursache für die Probleme infrage kommt. Handelt es sich um Gallensteine, dann kann es sein, dass überhaupt keine Schmerzen auftreten, kommt es zu einer Gallenkolik, dann liegt der Verdacht nahe, dass mit dem Abfluss der Gallenflüssigkeit etwas nicht stimmt. Um eine konkrete Diagnose stellen zu können, muss der Arzt einige Untersuchungen vornehmen, aber auch schon während der Anamnese kann der Arzt Rückschlüsse ziehen:

  • Seit wann hat der Patient Schmerzen?
  • Treten die Schmerzen nach dem Essen auf?
  • Wo verspürt der Patient Schmerzen?
  • Wie äußern sich diese Schmerzen?
  • Welche Essgewohnheiten hat der Patient?
  • Wie ist es um den Stuhlgang bestellt?
  • Gab es schon einmal Probleme mit der Galle?

Nachdem diese Fragen abgeklärt wurden, wird der Arzt zunächst den Bauch abtasten und dann die Galle mithilfe des Ultraschalls untersuchen. Gibt die Sonografie keinen Aufschluss darüber, ob die Galle krank ist, dann wird mit einem Endoskop untersucht. Mit einer Endoskopie werden die Gallengänge sichtbar und die Diagnose fällt präziser aus. Auch die Blutwerte können sehr aufschlussreich sein, denn wenn es sich zum Beispiel um Gallensteine handelt, dann ist unter anderem der Bilirubinwert erhöht. Das Blut gibt auch Auskunft darüber, ob es sich um eine Entzündung der Galle handelt, denn wenn das der Fall ist, dann zeigen sich bestimmte Entzündungsmarker, wie eine erhöhte Zahl an weißen Blutkörperchen.

Welche Ursachen für Gallenschmerzen gibt es?

GallenschmerzenFür Gallenschmerzen gibt es ganz unterschiedliche Ursachen. So kann sich eine Fistel zwischen dem Dickdarm und der Gallenblase gebildet haben und auch eine Fehlbildung der Galle ist möglich. Die Gallenblase oder der Gallengang können entzündet sein, aber Schmerzen in der Galle können auch auf eine Gelbsucht oder eine Krebserkrankung sein. Besonders häufig sind es aber die Gallensteine, die für Schmerzen sorgen, die je nach Größe auch sehr heftig sein können.

Wie werden Gallenschmerzen therapiert?

Welche Therapie bei Gallenschmerzen infrage kommt, das hängt immer von der Ursache der Schmerzen ab. Handelt es sich um schmerzhafte Koliken, dann wird der Arzt als erste Maßnahme ein krampflösendes Medikament verabreichen. Wenn die Ursache eine Entzündung der Gallenblase oder der Gallengänge ist, dann werden in der Regel Antibiotika verordnet. Diagnostiziert der Arzt Gallensteine, dann kann eine Operation notwendig werden, zumindest dann, wenn es große Steine sind, die den Abfluss der Gallenflüssigkeit unmöglich machen. Sind die Gallensteine aber klein, dann verschreibt der Arzt ein Mittel, das die Steine schnell und einfach auflöst. Möglich ist auch eine Zerstörung der Steine durch Schallwellen.

Gallenschmerzen effektiv vorbeugen

Sich von der Gallenblase zu trennen, ist nur eine Möglichkeit, um künftig Gallenschmerzen zu vermeiden, aber das muss nicht sein, denn es gibt noch andere effektive Mittel. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist ein Garant dafür, dass es erst gar nicht zu Gallenschmerzen kommt. Wer Probleme mit der Galle hat und vielleicht während beim Essen Schmerzen im oberen rechten Bauchbereich verspürt, der sollte fettige Speisen meiden und stattdessen viel frisches Obst und Gemüse essen.

Wenn Fett zum Kochen verwendet wird, dann sollte es gesundes Fett wie zum Beispiel natives Olivenöl oder Rapsöl sein, aber auch das sollte nur in Maßen verwendet werden. Ballastreiche Kost ist bei Problemen mit der Galle ebenfalls empfehlenswert, denn Vollkornprodukte sorgen dafür, dass sich die Galle und auch der Darm wohlfühlen. Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind besser als drei üppige Mahlzeiten, denn dann wird die Galle garantiert keine Probleme mehr machen.

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Leber, Galle & Co: Verdauungssystem des Menschen ✚ DR. JOHANNES


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Gallenschmerzen – unangenehm, aber meist harmlos
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1 Kommentar

  1. Mette

    Mir wurde vor zwei Jahren ein großer Gallenstein zusammen mit der Galle entfernt. Davor hatte ich eine lange Leidenszeit, in der zunächst alles mögliche diagnostiziert wurde – bis auf die richtige Erkrankung. Mir ging es wirklich schlecht, die hier beschriebenen Koliken sind absolut Horror, weil sie so schmerzhaft sind. Als dann noch regelmäßiges Erbrechen dazukam, musste schnell gehandelt werden. Seit der Operation bin ich beschwerdefrei und muss mich beim Essen nicht einschränken.

    Reply

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Menschlich? Dann bitte rechnen. ;) *