Bauchaortenaneurysma – viele leiden daran, ohne es zu wissen

Bauchaortenaneurysma – viele leiden daran, ohne es zu wissen

Bauchaortenaneurysma – ein sperriges Wort, hinter dem sich eine heimtückische und gefährliche Erkrankung verbirgt. Albert Einstein ist an einem Bauchaortenaneurysma gestorben und der weltberühmte Physiker wusste wahrscheinlich nicht, dass er überhaupt daran erkrankt war. In Deutschland leiden geschätzt fünf Prozent aller Männer, die älter sind als 65 Jahre, an einem solchen Aneurysma, rund zwei Prozent sind es bei den Frauen. Eine halbe Million Deutsche lebt mit einer tickenden Zeitbombe im Bauchraum, und dringend erforderlich ist eine Behandlung von 100.000 Aneurysmen an der Aorta.

Was ist ein Bauchaortenaneurysma?

Bei einem Bauchaortenaneurysma handelt es sich um eine Aussackung eines großes Blutgefäßes, nämlich einer Arterie. Eine solche Aussackung kann an unterschiedlichen Blutgefäßen überall im Körper vorkommen, in der Hauptsache sind aber die Arterien im Bauchraum betroffen. Da Arterien die Blutgefäße sind, die das Blut mit Sauerstoff anreichern und das Blut vom Herzen wegleiten, sind sie einer deutlich höheren Belastung ausgesetzt als die Venen, die das sauerstoffarme Blut durch den Körper transportieren. In den meisten Fällen können die Arterien mit der Belastung gut leben, denn ihre Gefäßwände sind viel kräftiger als die der Venen. Trotzdem kommt es vor allem entlang der Hauptschlagader immer wieder zu Ausbuchtungen und damit zu einem sogenannten Aortenaneurysma. Das kann im Brustkorb der Fall sein, wenn ein thorakales Aortenaneurysma entsteht oder im Bauchraum bei einem Bauchaortenaneurysma. Nicht selten trifft es gleichfalls die Arterien im Gehirn, wenn ein intrakranielles oder zerebrales Aneurysma entsteht.

Die unterschiedlichen Formen

Ein Aneurysma kann ganz unterschiedliche Formen haben. Die Medizin kennt das Aneurysma dissecans, bei dem eine Schicht in der Gefäßwand eingerissen ist und das Blut zwischen die Gefäßwandschichten läuft. Dann gibt es das Aneurysma spurium, das auch als falsches Aneurysma bekannt ist. Hierbei handelt es sich lediglich um eine Art Leck in der Wand eines Blutgefäßes, das von außen abgedichtet werden muss. Meist entsteht um das betroffene Blutgefäß herum ein Hämatom, das schließlich langfristig das Bindegewebe verändert. Besonders häufig tritt aber das Aneurysma verum, das echte Aneurysma auf, bei dem es zu einer Aussackung der Gefäßwand kommt.

Welche Symptome sind bekannt?

Ob ein Bauchaortenaneurysma für Beschwerden sorgt, das hängt vom Durchmesser der Aussackung ab. Wenn es nicht zu groß ist, dann haben die meisten Betroffenen im Allgemeinen keine Symptome, oft erfolgt die Entdeckung des Aneurysmas meist nur durch Zufall, zum Beispiel bei einer Routineuntersuchung. Ist die Aussackung groß, dann klagen die Patienten über Schmerzen im unteren Bauchraum, die aber auch in den Rücken und sogar in die Beine ausstrahlen können. Der Schmerz wird als stechend und dauerhaft beschrieben, ganz gleich, welche Körperposition die Betroffenen einnehmen. Eher selten sind Probleme mit der Verdauung. Wenn ein Bauchaortenaneurysma plötzlich aufplatzt, dann ist das mit sehr starken Bauchschmerzen verbunden. Es kommt zu einem großen Blutverlust, was den Blutdruck in den Keller rauschen lässt. Die Betroffenen erleiden in der Folge einen Kreislaufschock und wenn keine schnelle Hilfe kommt, dann ist ein Bauchaortenaneurysma tödlich.

Welche Ursachen sind möglich?

Für ein Aneurysma gibt es viele unterschiedliche Ursachen. Häufig spielt eine genetische Veranlagung eine zentrale Rolle, wenn in einer Familie mehrere Mitglieder ein Aneurysma haben oder hatten. Besonders hoch ist das Risiko, wenn es sich dabei um einen Verwandten ersten Grades, wie den Vater oder den Großvater handelt. Auch alle, die unter Bluthochdruck leiden, leben mit der Gefahr, an einem Bauchaortenaneurysma zu erkranken, ebenso wie diejenigen, die an einer Arteriosklerose, einer Gefäßverkalkung erkrankt sind. Übergewicht ist ein Faktor und auch Diabetes und das Rauchen begünstigen die Entstehung eines Bauchaortenaneurysmas. Grundsätzlich gilt, alles, was den Wänden der Blutgefäße schadet, kann auch dafür sorgen, dass sich ein Aneurysma bildet. Daher sollten sich alle, die zuckerkrank sind, rauchen, Übergewicht haben oder erblich veranlagt sind, regelmäßig untersuchen lassen.

Die Bauchaortenaneurysma-Behandlung

Um ein Aneurysma im Bauchraum zu behandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche Therapie infrage kommt, das richtet sich in erster Linie nach der Größe des Aneurysmas und wo es sich genau befindet. Hat das Bauchaortenaneurysma einen Durchmesser von weniger als vier Zentimetern, dann heißt es in der Regel zunächst einmal abwarten. Der Arzt beobachtet den Patienten und macht einmal pro Jahr eine Kontrolluntersuchung. Ist die Ausbuchtung jedoch größer als vier Zentimeter, dann erfolgt die Kontrolluntersuchung alle sechs Monate. Gibt es eine deutliche Veränderung bei den Ausmaßen, dann ist eine Operation die beste Wahl. Bei diesem Eingriff ersetzt der Arzt den betroffenen Abschnitt des Blutgefäßes mit einer Art Prothese, einem sogenannten Stent und stabilisiert es so. Möglich sind aber auch eine Bypassoperation oder eine medikamentöse Behandlung, wenn sich das Aneurysma zum Beispiel in der Kniekehle gebildet hat.

Gesund leben

Ein sehr wichtiger Faktor bei der Behandlung eines Aneurysmas ist, dass die Patienten ihren Lebensstil grundlegend verändern. Der Verzicht auf Nikotin, eine gesunde Ernährung und viel Bewegung tragen dazu bei, dass sich erst gar kein Bauchaortenaneurysma bildet. Wer unter einem zu hohen Blutdruck leidet, der sollte ihn mit der Hilfe von Medikamenten senken. In diesen Fällen verschreibt der Arzt sogenannte Beta-Blocker oder auch ACE-Hemmer. Gibt es Risiken für die Entstehung einer Gefäßverkalkung, dann sollten diese vermieden werden. Es kommt vor allem auf eine gesunde Ernährung an, sie sollte nach Möglichkeit viele Ballaststoffe und nur wenig tierisches Fett enthalten. Gemüse muss auf dem Speiseplan stehen, frisches Obst, weißes Fleisch und Fisch, dessen wertvolle Omega-3-Fettsäuren das Herz schützen und den Blutdruck auf natürliche Weise senken.

Kein Todesurteil

Ein Aneurysma muss kein Todesurteil sein, es kommt aber immer darauf an, wo sich die Ausbuchtung der Arterie befindet. Bei einem gerissenen Bauchaortenaneurysma beträgt die Überlebenschance 50 Prozent, wenn eine Behandlung schnell erfolgt. 75 Prozent überleben ein Aneurysma im Brustkorb, nicht so gut sieht es allerdings bei einem Aneurysma im Kopf aus. Rund die Hälfte der Patienten stirbt 28 Tage nach dem das Blutgefäß im Kopf geplatzt ist. Wenn die erweiterte Arterie im Kopf jedoch rechtzeitig entdeckt und behandelt wird, dann stehen die Chancen gut, dass der Patient alles gut übersteht.

Fazit

Ein Bauchaortenaneurysma gehört zu den unheimlichen Erkrankungen, die meist erst dann entdeckt werden, wenn es bereits zu spät ist. Eine gesunde Lebensweise kann hingegen sehr viel dazu beitragen, dass es erst gar nicht zu einer gefährlichen Ausbuchtung an der Arterie kommt.

Bild: @ depositphotos.com / rob3000

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Autor(in)

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

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