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Kontrollzwang und wie er überwunden werden kann

Kontrollzwang und wie er überwunden werden kann

Jeder kennt wahrscheinlich das Gefühl: Auf dem Weg in den Urlaub flammt plötzlich der Gedanke auf, ob zu Hause auch alles verriegelt ist und das Bügeleisen wirklich ausgeschaltet wurde. Diese Gedanken können beunruhigend sein, aber die meisten denken nicht mehr darüber nach, freuen sich einfach auf die Ferien und hoffen einfach, dass alles in Ordnung ist. Menschen, die unter einem Kontrollzwang leiden, würden erst gar nicht das Haus verlassen, denn sie sind dazu nicht mehr in der Lage, sie bekommen die Gedanken, dass irgendetwas vergessen wurde, nicht mehr aus dem Kopf.

Was versteht man unter Kontrollzwang?

Aus medizinischer Sicht ist Kontrollzwang die große Angst, dass durch die eigene Schuld jemand zu Schaden kommt oder vermeintliche wertvolle Dinge zerstört werden. Menschen, die unter diesem Zwang leiden, müssen den Herd immer und immer wieder kontrollieren und sich ständig davon überzeugen, dass die Haustür auch wirklich abgeschlossen ist. Beim Kontrollzwang handelt es sich um eine zwanghafte Störung, die erschreckende Ausmaße annehmen kann. Die Betroffenen sind nicht selten den ganzen Tag damit beschäftigt, den Herd, die Tür oder auch den Wasserhahn zu kontrollieren und da diese rituellen Handlungen viele Stunden in Anspruch nehmen, können sie dauerhaft nicht mehr an einem normalen Leben teilnehmen. Dazu kommt ein ausgeprägter Leidensdruck, dem diese Menschen ausgesetzt sind.

Wie erkennt man die Zwangsstörung?

Das unbehagliche Gefühl mit dem Herd kennt wahrscheinlich jeder, aber für Menschen, die unter Kontrollzwang leiden, sind diese Gefühle und Gedanken unerträglich. Sie haben panische Angst, dass durch ihre Schuld ein schreckliches Unglück passieren kann und um dieses Unglück zu verhindern, kontrollieren und überprüfen sie die Herdplatte wieder und wieder. Viele versuchen, sich selbst Halt zu geben, in dem sie zum Beispiel während der Kontrolle laut zu sich selbst sagen: „Der Herd ist aus“, denn richtig sicher sein können sie nicht. Irgendwann wird es eine Qual sein, dass Haus zu verlassen, denn wenn der Schlüssel im Schloss herumgedreht und die Außentreppe erreicht wurde, dann kommen die quälenden Gedanken wieder und die Betroffenen werden umkehren, um noch einmal alles zu kontrollieren.

Das Wissen um die Krankheit

Wer unter Kontrollzwang leidet, der weiß, dass sein Verhalten irrational ist, trotzdem gelingt es nicht, die rituellen Handlungen zu unterlassen. Alles muss wiederholt werden, manchmal bis hin zur völligen Erschöpfung. Menschen, die unter dieser besonders häufig auftretenden Angststörung leiden, wissen sehr genau, dass sie krank sind, aber sie bewegen sich in einer Art Teufelskreis, aus dem es ohne fremde Hilfe keinen Ausweg mehr gibt. Selbst wer sich einen Ruck gibt und einen Termin bei einem Arzt macht, wird es je nach Ausdehnung der Krankheit überhaupt nicht mehr schaffen, die Wohnung zu verlassen.

Welche Ursachen sind möglich?

Wie bei allen Zwangsstörungen, so entsteht auch der Zwang, alles kontrollieren zu müssen, aus einem Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren und Umwelteinflüssen. Eine genetische Veranlagung ist ebenso möglich und sie erhöht die Anfälligkeit, aber sie ist nicht alleine für den Kontrollzwang verantwortlich. Eine traumatische Erfahrung in der Kindheit, ein eher ungünstiger Erziehungsstil der Eltern oder auch generell ein Hang zu Ängstlichkeit spielt bei der Entwicklung einer zwanghaften Störung eine entscheidende Rolle. Menschen, die zaghaft und von Natur aus ängstlich sind, tendieren eher dazu, bedrohliche Gedanken zuzulassen und sie ernst zu nehmen. Sie sind immer bestrebt, um jeden Preis zu verhindern, dass aus ihren Gedanken Realität werden könnte.

Wie wird die Angststörung behandelt?

Der beste Ansprechpartner für Menschen, die unter einer zwanghafter Kontrollstörung leiden, ist ein Psychotherapeut, der für diese Patienten einen speziellen Katalog an Fragen zusammengestellt hat. Wenn die Diagnose einmal steht, dann ist das der erste Schritt auf dem richtigen Weg, um den Alltag wieder normal bewältigen zu können. Wichtig ist, dass dieser Schritt so früh wie möglich stattfindet, denn dann ist es einfacher, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Während der Therapie müssen die Patienten lernen, sich ihren Ängsten zu stellen, und der Therapeut wird versuchen, seine Patienten dahin zu bringen, die Kontrollmaßnahmen auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Um wieder gesund zu werden, müssen die Betroffenen lernen, dem Drang nach Kontrolle nicht mehr nachzugeben. Das wird in den meisten Fällen mit einer Mischung aus einer Psychotherapie, einer kognitiven Verhaltenstherapie, mit Konfrontationsübungen und auch Medikamenten versucht. Mit der Zeit bekommen die Patienten mehr Sicherheit, mehr Selbstvertrauen und die Angst lässt mehr und mehr nach.

Bild: © Depositphotos.com / belchonock

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Autor(in)

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

2 Kommentare

  1. Monkfan

    Beim Lesen hatte ich sofort Mr. Monk aus der gleichnamigen TV-Serie im Kopf. Er tritt beispielsweise nicht auf Fugen auf Gehwegen, hat einen Waschzwang und ist allgemein ziemlich speziell. Was auf dem Bildschirm so lustig wirkt, muss für Betroffene von Zwangsneurosen eine enorme Belastung sein. Mir das vorher nicht wirklich bewusst. Allein die Zeit, die mit sinnlosen Kontrollen verplempert wird. An sich ist es fast ein Wunder, dass Monk beruflich so aktiv sein kann. Ich weiß, es ist nur eine Fernsehserie, aber der Charakter wurde offenbar ja mit viel Bedacht entwickelt. Dass meistens Angst hinter solchen Zwangshandlungen steckt, ist mir auch neu. Wieder auf Monk bezogen könnte es Verlustangst sein. Er ist nie über den Tod seiner Frau hinweggekommen. Gut, dass es Therapien gibt, die Betroffenen wirklich zu helfen scheinen.

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  2. Heiko

    Für Angehörige sind derartige Zwangshandlungen unglaublich anstrengend. Das kann ich aus Erfahrung sagen. Man steht hilflos dabei. Es kommt vor, dass ich sauer werde, einfach aus Hilflosigkeit heraus. Das hilft überhaupt nicht. Meine Freundin hat einen Waschzwang. Sie wäscht sich die Hände so oft, dass sie schon ganz rissig sind. Sie ist in Therapie.

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