Wiederkehrende Harnwegsinfektionen: Wenn der Drang zum Toilettengang Alltag wird!

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen: Wenn der Drang zum Toilettengang Alltag wird!

Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Frauen unter ständig wiederkehrenden Blasenentzündungen (Zystitis) leiden. Nachdem die erste Entzündung abgeklungen ist und das unangenehme Druckgefühl im Unterleib nebst Brennen beim Wasserlassen verschwunden ist, steht gefühlt schon die nächste Blasenentzündung vor der Tür. 

Nicht nur Frauen können von Harnwegsinfekten betroffen sein. Auch Männer leiden unter diesen Beschwerden. Verantwortlich dafür ist meist eine vergrößerte Prostata, die verhindert, dass sich die Blase vollständig entleeren kann und sich der Urin mit Bakterien anreichert. Im Vergleich zu Frauen treten bei Männern Blasenentzündungen weniger häufig auf, dafür ist der Krankheitsverlauf meist stärker ausgeprägt. 

Wir verraten Ihnen, was Sie tun können, um den Kreislauf der unangenehmen Schmerzen und der ständigen Antibiotikaeinnahme zu durchbrechen und Blasenentzündungen vorzubeugen. 

Ursachen und Symptome von Harnwegsinfektionen 

Zystitis wird zu 80% durch eine Kontamination der Harnröhre durch ein Darmbakterium namens Escherichia coli (E-coli) verursacht. Es handelt sich um ein natürlich im Körper vorkommendes Bakterium, welches zumeist an Schleimhautwänden angesiedelt ist. 

E-coli ist nicht schädlich, solange es in Konkurrenz zu anderen kommensalen Bakterien steht und es in den meisten Fällen nicht einmal schafft, sich an die bereits mit harmlosen Bakterien ausgekleideten Darmwände zu heften. Aber wenn die Darmflora geschwächt ist, übernimmt E-coli manchmal die Führung und vermehrt sich, bis es es überproportional angesiedelt ist und so Infektionen (Urethritis) verursachen kann.

Wenn sich die Bakterien in der Blase einnisten, handelt es sich um eine Blasenentzündung, und wenn sie aufsteigen und die Nieren erreichen, kann sogar eine unangenehme Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) die Folge sein. 

Auch ein geschwächtes Immunsystem durch Stress, Kälte, Erkrankungen, Bewegungsmangel, Fehlernährung etc. kann eine Blasenentzündung begünstigen.  

Zudem sind Diabetiker, Personen mit Stoffwechselstörungen wie Gicht oder Schwangere leichter anfällig, eine Blasenentzündung zu erleiden.

Wenn Sie also das Gefühl haben, dass Sie eine Harnwegsinfektion haben, ist es am besten, sich schnell darum zu kümmern, sonst riskieren Sie eine langwierige Antibiotikabehandlung bis hin zu einem Aufenthalt im Krankenhaus. 

Zu den allgemeinen Symptomen zählen:

  • Häufiger Harndrang
  • Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen
  • Druckgefühl im Unterleib
  • Nur geringer Urinabgang möglich
  • Trüber und riechender Urin

Sollten sich zu den Symptomen Blut im Urin und/oder Fieber dazu gesellen, sollten Sie umgehend einen (Online-)Arzt aufsuchen, damit Sie die Krankheit nicht verschleppen. 

Eine schlecht behandelte Zystitis oder chronische Zystitis kann gefährlich sein, da eine chronische Niereninfektion zu Nierenversagen führen kann. Kurz gesagt, man sollte nicht sagen „es wird vorübergehen“, sondern umgehend handeln. 

Warum sind Frauen häufiger betroffen als Männer?

Im Gegensatz zu sexuell übertragbaren Infektionen (wie Chlamydien oder Mykoplasmen) treten Harnwegsinfektionen bei Frauen wesentlich häufiger auf als bei Männern. Der Grund für diese Ungleichheit ist im Wesentlichen physiologischer Natur: Die Anatomie des weiblichen Harnsystems erhöht das Risiko von Harnwegsinfektionen erheblich. 

Tatsächlich begünstigt die kürzere Harnröhre von Frauen die Kontamination der Blase durch Bakterien. Die Nähe der Körperöffnungen (Geschlecht und Anus) bei Frauen erleichtert die Verbreitung von Keimen. Ein intestinales oder vaginales Ungleichgewicht kann dazu führen, dass sich Bakterien vermehren und schnell den Weg in die Harnröhre finden.

Zu den Risikogruppen von wiederkehrenden Blasenentzündungen zählen:

  • Sehr junge Mädchen können betroffen sein, oft weil sie in der Schule nicht auf die Toilette gehen oder sich nach dem Toilettengang nicht richtig abwischen.
  • Schwangere Frauen sind häufig betroffen, entweder wegen des mit der Schwangerschaft verbundenen hormonellen Ungleichgewichts oder weil das Baby neun Monate lang auf die Blase drückt, die stärker geneigt ist, so dass leichter urinrückstände in der Blase verbleiben können.
  • Sexuell aktive Frauen bieten auch ein günstigeres Umfeld für die Entwicklung von Harnwegsinfektionen. Manche Frauen entwickeln eine Zystitis nach jedem Geschlechtsverkehr. Diesen Frauen wird empfohlen, nach dem Geschlechtsverkehr Wasser zu lassen und während des Geschlechtsverkehrs eine Gleitmittel zu benutzen, da diese Form der Blasenentzündungen häufig mit vaginaler Trockenheit verbunden sind.
  • Frauen mit einer Vaginitis, die mit einem Hormonabfall in den Wechseljahren zusammenhängt, sind ebenfalls anfällig für Zystitis.
  • Schließlich sind Frauen, die während ihrer Periode Tampons und Binden benutzen, in dieser Zeit gefährdet, da diese einen Nährboden für Bakterien bieten. 

Harnwegsinfektionen meist bei Männern ab 50+ 

Bei jungen Männern erklären die Länge der Harnröhre (ca. 20 cm) und saure Prostatasekrete (mit einer antibakteriellen Wirkung) teilweise die Seltenheit von Harnwegsinfektionen. 

Harnwegsinfektionen bei Männern treten vor allem bei älteren Männern auf, was auf die Abnahme dieser Sekrete, die Zunahme des Prostatavolumens und vor allem auf die schlechte Entleerung der Blase durch das Prostatahindernis zurückzuführen ist. 

Männliche Harnwegsinfektionen sind sehr heterogen und reichen von leicht symptomatischen Formen ohne Fieber bis zum septischen Schock. Kein nicht-invasiver diagnostischer Test kann eine Prostatainfektion ausschließen, was daher bei der späteren Behandlung berücksichtigt werden muss. Jede Harnwegsinfektion (mit Ausnahme der Harnkatheterisierung) bei einem Mann sollte (außer in Ausnahmefällen) als akute Prostatitis betrachtet und behandelt werden. Die beteiligten Bakterien sind zumeist E-coli, Klebsiella und Enterokokken. 

Diagnosemöglichkeiten bei Harnwegsinfektionen 

Die Symptome von Blasenentzündungen sind recht eindeutig. Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen lassen sich die Symptome recht schnell selbst identifizieren, was eine rasche Behandlung ermöglicht. 

Wenn Sie vor der Antibiotikaeinnahme dennoch sichergehen wollen, dass es sich um eine Zystitis handelt, haben Sie die Möglichkeit durch Ihren Arzt einen Test durchführen zu lassen:

  • Urinstreifen
  • Zytobakteriologische Untersuchung von Urin (ZBUU)

Wenn Sie sich für eine antibiotische Behandlung entscheiden, empfiehlt es sich, die ZBUU vornehmen zu lassen, da dabei der Keim genau bestimmt wird und das Antibiotikum gezielt verabreicht werden kann. Andernfalls riskieren Sie die unnötige Einnahme von Antibiotika und die förderung von Resistenzen.

Gerade bei wiederkehrenden Blasenentzündungen kann die ständige Antibiotikaeinnahme zum Problem werden. Nicht nur, weil sich Resistenzen entwickeln können, die die Behandlung abschwächen oder wirkungslos machen, sondern auch, da bei jeder Einnahme von Antibiotika die Darm- und Vaginalflora angegriffen wird. Dies erleichtert die Vermehrung der Bakterien und ein Teufelskreis entsteht und fördert immer wiederkehrende akute Blasenentzündungen oder das Entstehen von chronischen Beschwerden. 

Daher setzen viele Betroffene beim Einsetzen der ersten Anzeichen auf natürliche Arzneimittel und Anwendungen.

Zystitis ohne Antibiotika behandeln 

Wenn Sie keinen komplizierten Verlauf haben, können Sie die Blasenentzündung auch gut ohne Antibiotikaeinnahme in den Griff bekommen: 

  • Viel trinken
  • Häufiges Entleeren der Blase
  • Wärmeanwendungen (Wärmflasche)
  • Zucker-, Alkohol- und Kaffeekonsum reduzieren
  • Urin ansäuern durch Vitamin C
  • D-Mannose (natürlicher Zucker)
  • Ätherische Öle mit antibakterieller Wirkung (Oreganoölkapseln)
  • Harntreibende und entzündungshemmende Kräutertees (Brennessel, Bärentraube, Schachtelhalm, Goldrute, Schafgarbe, Zistrose, Hopfen)

Sollten sich Ihre Symptome allerdings nach drei Tagen nicht bessern oder sogar verschlimmern, dann suchen Sie einen Arzt auf. Auch Risikopatienten für komplizierte Verläufe wie z.B. Schwangere, Nierenkranke, Diabetiker, Prostatapatienten sollten bei ersten Symptomen von Harnwegsinfekten umgehend einen (Online-)Arzt aufsuchen und eine mögliche Medikation, auch ohne Antibiotikum, mit diesem besprechen. 

Prävention – Blasenentzündungen erfolgreich vermeiden 

Wenn Sie zu wiederkehrenden Harnwegsinfektionen neigen, sollten Sie als Erstes das Umfeld verändern, in dem die Bakterien gedeihen können:

  • Sie können Ihre Darmflora durch die Einnahme von Probiotika stärken.
  • Auch die Wiederherstellung der Vaginalflora bei Frauen ist unerlässlich. Dafür können z.B. probiotische Kapseln in einem Löffel Naturjoghurt entleert und vermischt werden. Damit können Sie dann Ihren Vaginalbereich einreiben. Eine oder zwei Kapseln können auch direkt in die Scheide eingeführt werden, aber achten Sie darauf, dass die Hülle nicht magenresistent ist. Es gibt auch spezielle Probiotikakapseln zum Aufbau einer gesunden Vaginalflora.
  • Vermeiden Sie Kaffee, scharfe Gewürze und Alkohol, da diese Ihren PH-Wert verändern und die Reizbarkeit von Blase und Harnröhre erhöhen.
  • Vermeiden Sie auch Zucker und Fertigprodukte. Das ist wichtig, weil E-coli Zucker mag und sich dort, wo es Zucker findet, noch besser vermehren kann.
  • Eine weitere einfache Maßnahme: Achten Sie darauf, dass Sie mit dem Toilettenpapier von vorn nach hinten wischen, um eine Kontamination der Harnröhre mit Anal- oder Vaginalbakterien zu vermeiden. Dies ist eine Praxis, die vor allem schon kleine Kinder lernen sollten, um Beschwerden vorzubeugen.
  • Es wird auch empfohlen, spätestens 10 Minuten nach dem Geschlechtsverkehr zu urinieren, um mögliche Bakterien auszuschwemmen und den Intimbereich  zu reinigen. 
  • Vermeiden Sie auch das Tragen von engen Hosen und Kunstfaserunterwäsche, da diese ein günstiges Wachstumsklima für die Bakterien liefern.  

Neben einer angemessenen Intimpflege sollten Sie auch Ihr Immunsystem stärken und allgemein eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung und Stressreduzierung in Betracht ziehen. So haben Sie alle Möglichkeiten wiederkehrenden Blasenentzündungen die Stirn zu bieten.

Fazit: Harnwegsinfekte sind gut behandelbar

In der Regel lassen sich unkomplizierte Harnwegsinfekte auch ohne Antibiotika gut und erfolgreich behandeln. Durch entsprechende präventive Maßnahmen haben Sie zudem die Möglichkeit, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen und die lästigen Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Autor(in)

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

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