Wie gesundheitsschädlich sind die Methoden zur Altersbestimmung?

Wie gesundheitsschädlich sind die Methoden zur Altersbestimmung?

Nach dem Mord an einem 15 Jahre alten Mädchen in Kandel, Rheinland-Pfalz, diskutiert ganz Deutschland darüber, ob es bei Flüchtlingen eine Altersbestimmung geben soll oder nicht. In Kandel steht ein nach eigenen Angaben 15-jähriger Afghane unter Tatverdacht. Experten haben aber Zweifel daran, dass der Mann tatsächlich erst 15 Jahre alt ist. Einige Politiker der CDU/CSU sprechen sich für ein einheitliches Verfahren zur Überprüfung des Alters aus. Die SPD und auch die Bundesärztekammer sind grundsätzlich dagegen und verweisen auf mögliche gesundheitliche Schäden, wenn medizinisch das Alter festgestellt wird.

Ist Röntgen gesundheitsschädlich?

Der Mord in Kandel hat eine heftige Debatte ausgelöst, ob eine Altersbestimmung bei Flüchtlingen sinnvoll ist und wie diese Altersbestimmung aussehen kann. Was ist aus medizinischer Sicht überhaupt machbar und was könnte derGesundheit gefährlich werden? Es gibt viele Gründe, sich jünger zu machen, zum Beispiel, um nicht nach dem Erwachsenenstrafrecht bestraft zu werden. Bei vielen unbegleiteten Flüchtlingen zweifeln die Behörden die Altersangabe an, wie bei dem Afghanen, der seine frühere Freundin in einem Drogeriemarkt erstochen haben soll. Die wahrscheinlich einfachste Form, um das korrekte Alter zu ermitteln, ist eine Röntgenaufnahmeder linken Hand. Bestimmte Knochen der Handwurzel sind bei Jugendlichen nur als Knorpel angelegt. Erst mit zunehmendem Alter beginnt eine Verknöcherung, an der sich dann das Alter ablesen lässt. Die Bundesärztekammer ist gegen dieses Verfahren, da Röntgen nicht gesund ist. Wissenschaftler halten allerdings dagegen und sprechen bei Röntgenaufnahmen zur Altersbestimmung von einer nur sehr schwachen Belastung durch die Strahlen.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung?

Nicht nur die Frage, wie die Altersbestimmung aussehen soll, erhitzt die Gemüter. Eine heftige Debatte ist auch über die vermeintlich zu hohe Strahlenbelastung beim Röntgen entstanden. Ohne eine medizinische Notwendigkeit ist Röntgen für den Präsidenten der Bundesärztekammer, Ulrich Montgomery, ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. Dabei gibt es aus Sicht der Wissenschaft keinen verlässlichen Grenzwert, der als Richtlinie gelten könnte. Wird eine Hand zur Altersbestimmung geröntgt, dann entsteht eine Strahlenbelastung von circa 0,1 Mikrosievert. Das ist ein verschwindend kleiner Wert im Vergleich zu der Strahlenbelastung, der jeder Deutsche ausgesetzt ist. Diese Belastung entsteht durch die Radioaktivität der Erde oder durch die kosmische Strahlung. Je nach Stadt oder Region liegt die Belastung bei 2,4 Mikrosievert, dem 24.000-fachem der Belastung durch eine normale Röntgenaufnahme. Möglich ist aber auch eine CT-Untersuchung von Brust- und Schlüsselbein, bei der allerdings eine Strahlenbelastung von bis zu 800 Mikrosievert entsteht.

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Um das Alter eines Menschen bestimmen zu können, gibt es zudem die Möglichkeit der Ultraschalluntersuchung. Ein entsprechendes Gerät hat das Fraunhofer-Institut bereits im letzten Jahr entwickelt und vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen mobilen Handscanner, bei dessen Einsatz keine schädlichen Strahlen zu befürchten sind. Das Gerät zeigt innerhalb von wenigen Sekunden den Grad der Verknöcherung in der Hand an. Noch ist die Altersbestimmung mithilfe einer DNA-Analyse nicht möglich. Im Laufe eines Lebens docken sogenannte Methylgruppen an die Gene an. Dieses Wachstum oder die Methylierung, verläuft bei jedem Menschen zwischen dem 20. und dem 70. Lebensjahr linear. Das könnte später für die Bestimmung des Alters genutzt werden. Noch ist diese Methode aber viel zu ungenau und die Altersbestimmung schwankt zwischen plus/minus fünf Jahren, was zu ungenau ist. Allerdings arbeiten Wissenschaftler am Fortschritt dieser Methode, was aber noch mehrere Jahre dauern kann. Heute steht jedoch schon fest, dass eine Probe der DNA kein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit ist. Wenn das Ergebnis ein Alter von 24 Jahren ausweist, dann ist es sicher, dass die Person auch volljährig ist.

Genaue Angaben gibt es nicht

Alle, die von der Wissenschaft eine exakte Altersbestimmung fordern, sollten wissen, dass das aktuell nicht möglich ist. Es spielt keine Rolle, welche Methode zur Anwendung kommt, eine exakte Bestimmung des Geburtsjahrs oder noch exakter des Geburtsmonats gibt es bis jetzt noch nicht. Allerdings gibt es Methoden, die exakter sind als die bloße „Inaugenscheinnahme“, mit der heute immer noch viele Jugendämter und soziale Stellen arbeiten, wenn es um die Altersbestimmung von Flüchtlingen geht. Experten gehen im Fall des angeblich 15-jährigen Afghanen in Kandel davon aus, dass er älter als 15 oder sogar älter als 20 Jahre ist. Ein falsches Alter gab auch Hussein K. an, der in Freiburg wegen Mordes an einer Studentin vor Gericht steht. Er gab an, 16 oder 17 Jahre alt zu sein. Eine Untersuchung ergab, dass er mindestens 22 Jahre ist, andere Quellen sprechen sogar von über 30 Jahren.

Überprüfungen helfen

Nicht in jedem Bundesland ist die Politik gegen die Altersbestimmung nach den möglichen Methoden. Gibt es zum Beispiel im Saarland Zweifel am Alter eines Flüchtlings, dann erfolgt eine Überprüfung des Handknochens mit der umstrittenen Röntgenaufnahme. In 35 Prozent aller Fälle hat die Überprüfung ergeben, dass es sich um bereits volljährige Männer und nicht um Jugendliche handelt. Auch in Hamburg gibt es eine routinemäßige Untersuchung durch Rechtsmediziner. Das ist immer dann der Fall, wenn es Widersprüche zwischen den Behörden und dem Flüchtling gibt. In den meisten Fällen betreffen diese Unstimmigkeiten sein Alter oder wenn der Flüchtling vorgibt, keine Papiere mehr zu haben. Drei Viertel der untersuchten Flüchtlinge haben bei der Altersangabe in Hamburg bisher gelogen, alleine im vergangenen Jahr hat über die Hälfte die Unwahrheit über das Alter gesagt. Auch in Österreich und in Schweden gibt es Untersuchungen zur Bestimmung des Alters und auch hier ist die Zahl der falschen Angaben erschreckend hoch.

Gibt es eine Lösung?

Offenbar ist Deutschland in der Frage der Altersbestimmung ebenfalls tief gespalten. Während sich immer mehr Politiker für eine flächendeckende, standardisierte Untersuchung aussprechen, hat Boris Palmer, der Oberbürgermeister von Tübingen, einen anderen Vorschlag. Er sieht eine Umkehr der Beweispflicht, indem derjenige, der sein Alter nicht zweifelsfrei nachweisen kann, automatisch als Erwachsener behandelt wird.

Fazit

Wer in ein fremdes Land einreisen möchte, der muss sich ausweisen können. In Deutschland ist das seit zwei Jahren offenbar nicht der Fall. Es kommen nach wie vor angebliche Minderjährige ins Land, die in Wirklichkeit deutlich älter sind. Einfache medizinische Methoden, wie eine Röntgenaufnahme der Handwurzel oder eine gesundheitlich unbedenkliche Untersuchung mittels Ultraschall, machen zwar keine exakte Altersbestimmung möglich, aber sie helfen dabei, wieder ein wenig Ordnung zu schaffen.

Bild: @ depositphotos.com / vanzittoo

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Autor(in)

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

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