Rachitis – die Krankheit der armen Kinder

Rachitis – die Krankheit der armen Kinder

Rachitis gehört zu den Stoffwechselerkrankungen und ist auch unter dem Namen Glisson-Krankheit oder Knochenerweichung bekannt. Hervorgerufen wird die Krankheit durch einen Mangel an Vitaminen, besonders betroffen ist dabei das Rückgrat. In der Folge kommt es zu einer schwachen Muskulatur, zu einer schlechten Zahnbildung und auch zu einer verringerten Immunabwehr. Rachitis, von der in der Regel Kinder betroffen sind, gilt bis heute als die Krankheit der industriellen Revolution. Heute tritt die Krankheit zumindest in den westlichen Industrienationen nur sehr selten auf, obwohl sie hier ihren Anfang genommen hat.

Rachitis – die englische Krankheit

Den Beinamen englische Krankheit bekam die Rachitis mit Beginn des industriellen Zeitalters. In den englischen Bergwerken und auch in den zahlreichen Fabriken mussten viele Kinder arbeiten, die kaum das Sonnenlicht zu sehen bekamen und die schlecht ernährt wurden. Die Luft in den Städten war verpestet und stickig, sodass das Sonnenlicht nicht mehr bis zu den Menschen vordringen konnte und die Folge war ein drastischer Mangel an Vitamin D. Eine Ursache für die Rachitis waren auch die prekären Wohnverhältnisse. Die Menschen in den großen Städten wie Berlin und London lebten in beengten Wohnungen, oft in den Hinterhöfen, die kein Sonnenlicht sahen. Damals erkranken sehr viele Kinder an Rachitis, denn erst später wurde ein Zusammenhang zwischen dem fehlenden Sonnenlicht und der Krankheit hergestellt.

Warum der Körper Vitamin D braucht

Bei Menschen, die unter der Krankheit leiden, funktioniert der Vitamin-D-Stoffwechsel nicht mehr richtig. Die Ursache dafür liegt in einer Mangelernährung, weil dem Körper zu wenig Eiweiß zugeführt wird, es kann jedoch auch zu einer fehlerhaften Nährstoffaufnahme im Magen- und Darmtrakt kommen. Damit der Körper so wichtige Stoffe wie Phosphat und Kalzium in den Knochen einlagern kann, braucht er Vitamin D. Das spezielle Vitamin sorgt auch dafür, dass Kalzium und Phosphat aus dem Darm aufgenommen und wieder aus den Nieren zurückgewonnen werden kann. Kommt es zu einem Mangel an Vitamin D, dann ist diese Funktion gestört, in der Folge werden die Knochen weich und beginnen sich zu verformen. Der Körper kann Vitamin D mithilfe des Sonnenlichts selbst herstellen, denn nur ein kleiner Teil wird über die Nahrung aufgenommen.

Welche Symptome gibt es?

Die englische Krankheit zeigt sich schon in den ersten Lebensmonaten eines Kindes. Die Babys sind sehr unruhig, sie sind zudem schreckhaft, sie schwitzen stark, haben einen erhöhten Juckreiz und bekommen schließlich Ausschlag. Im Kindesalter kommen dann Muskelschwäche, eine chronische Verstopfung und auch Muskelkrämpfe dazu. Besonders am Kopf fühlen sich die Knochen weich und elastisch an. Als Erwachsene haben diejenigen, die unter Rachitis leiden, irreversible Verformungen der Knochen und die für die Krankheit so typischen ausgeprägten O-Beine, sowie eine sogenannte „Trichterbrust“, einen eingefallenen Brustkorb.

Wie verläuft die Krankheit?

Die ersten Symptome zeigen sich bereits zwischen dem zweiten und dritten Lebensmonat. Die Babys haben eine eingefallene Bauchdecke und unterhalb der Rippen ist der rachitische Rosenkranz zu sehen. Bei diesem Rosenkranz handelt es sich um Austreibungen an den Knorpeln der Knochengrenze zu den Rippen, die einer Schnur mit Perlen ähnlich sehen. Bei Kindern brechen die Zähne sehr spät durch, die Bildung des Zahnschmelzes verzögert sich und die Kinder werden auch als Erwachsene häufig unter Karies leiden. Durch die ausgeprägten O-Beine werden Rachitis-Kranke ihr Leben lang Schwierigkeiten beim Gehen haben und auch die weichen Knochen der Wirbelsäule machen ein normales Leben beinahe unmöglich.

Welche Behandlungen und Therapien gibt es?

Das Allheilmittel in früheren Zeiten hieß Lebertran, da Lebertran sehr viel Vitamin D enthält. Kinder, die heute an Rachitis erkranken, bekommen zunächst für die Dauer von drei Wochen Vitamin D, und wenn auch ein Kalziummangel vorliegt, zudem noch Kalzium in einer hohen Dosierung für die Dauer von zwölf Wochen. Diese Behandlung erfolgt bis zum ersten Lebensjahr. Wichtig ist vor allem, dass die Kinder viel an der frischen Luft und bei Sonnenschein draußen sind. Wenn es kein natürliches Sonnenlicht gibt, dann erfolgt eine Therapie mit Höhensonnenbestrahlung. Wichtig ist außerdem eine kalziumreiche Nahrung und wenn es an Phosphat mangelt, dann kommen entsprechende Medikamente zum Einsatz. Die Deformationen der Knochen heilen in der Regel mit der richtigen Behandlung aus, nur wenn es zu schweren Deformationen zum Beispiel an den Oberschenkeln kommt, dann müssen diese mit der Hilfe von Schienen korrigiert werden.

In Deutschland ist die Krankheit fast ausgestorben, denn Säuglinge und Kleinkinder erhalten im ersten Lebensjahr prophylaktisch jeden Tag eine Tablette mit Vitamin D.

Bild: © Depositphotos.com / alliesinteract

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Autor(in)

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

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