Ist Vancomycin das neue Wundermittel?

Ist Vancomycin das neue Wundermittel?

Sogenannte multiresistente Bakterien sind zu einem großen Problem geworden, denn diese Bakterien kosten jedes Jahr Zehntausende von Menschen das Leben. Antibiotika sind machtlos gegen diese aggressiven Erreger und ein wirksames Mittel war lange nicht in Sicht. Jetzt hat es aber den Anschein; als gäbe es wieder ein wenig Hoffnung, denn Wissenschaftler haben ein altes Mittel wiederentdeckt und den Wirkstoff modifiziert. Wenn es gelingt; dieses alte Antibiotikum wieder wirksam zu machen, dann wäre das eine sehr gute Nachricht.

Ein etabliertes Mittel

Die Hoffnung wird noch ein bisschen größer, wenn man liest, was der Wissenschaftler Kinori Okano in seinem Forschungsinstitut im kalifornischen La Jolla herausgefunden hat. Er hat ein bekanntes und etabliertes Antibiotikum mit Namen Vancomycin praktisch neu entdeckt, das seit 60 Jahren ein bewährtes Mittel gegen schwere Infektionen ist. Vancomycin wurde unter anderem erfolgreich gegen die Sepsis, also die Blutvergiftung eingesetzt und es hat sich gezeigt, dass Vancomycin auch gegen die Staphylococcus-aureus-Bakterien helfen kann. Diese MRSA Bakterien sind bereits resistent gegen Antibiotika und sorgen dafür, dass selbst harmlose Infektionen zum Tod führen.

Es wirkt besser

Was macht das alte Mittel heute so erfolgreich? Vancomycin ist deshalb so effizient, weil der Wirkstoff auf drei unterschiedlichen Wegen die Bakterien angreift und den Erreger auch dann noch tötet, wenn er gegen andere Wirkstoffe resistent geworden ist. Vancomycin hat aber nicht nur eine bessere Wirkung, es kann die Bakterien auch gezielter töten. Wird das Molekül nämlich an einer bestimmten Stelle um ein Ammoniumsalz ergänzt, dann erhöht das die Wirksamkeit. Die Zellwände des Bakteriums platzen, sie werden komplett zerstört und sterben. Das neue Vancomycin ist tausendmal wirksamer als das erste Mittel, und wenn es um resistente Erreger geht, dann wirkt Vancomycin sogar 25.000 Mal so gut.

Die Bakterien haben keine Chance mehr

Selbst hartnäckige Bakterien werden es sehr schwer haben, sich gegen die ganz unterschiedlichen Strategien des Angriffs zu verteidigen, denn sie sind nicht in der Lage, sich gleichzeitig gegen alles zu wappnen. Wenn sie aber eine Lösung für einen der Mechanismen finden, dann gibt es immer noch zwei andere, die das Bakterium schnell und sicher töten. Die Ärzte müssen dank Vancomycin weniger Antibiotika einsetzen und erzielen damit einen deutlich besseren Effekt. Durch Vancomycin können viele wieder hoffen, die sich mit multiresistenten Keimen infiziert haben, denn das alte Mittel hat von seiner Wirksamkeit noch nichts verloren.

Bild: © Depositphotos.com / alliesinteract

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Autor(in)

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

1 Kommentar

  1. Avatar
    Traumfänger

    Vancomycin ist schon seit den 1950ern bekannt. Es wurde jedoch lange Zeit nicht verwendet, weil es bei systemischer Gabe Nierenschädigungen und Hörverlust auslösen kann. Es gilt bereits seit den1980er Jahren als höchst potentes Reservemittel, wenn es um MRSA geht. Allerdings gibt es inzwischen immer mehr Vancomycin-resistente Keime wie Enterokokken. Gefährlich sind diese besonders für Menschen mit geschwächtem oder bewusst gedämpftem Immunsystem, die im Krankenhaus auf Intensiv- und onkologischen Stationen oder Transplantationsabteilungen liegen. Enterokokken können Harnwegsinfektionen oder eine Herzinnenhautentzündung hervorrufen.
    Viele Leute greifen einfach zu früh zum Antibiotikum. Dadurch bilden sich Resistenzen, und irgendwann gibt es gegen diese Keime keine Waffe mehr. Das wurde etliche Jahre vollkommen unterschätzt.

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