Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt weiter an

Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt weiter an

Immer mehr Deutsche haben Depressionen, sie haben Angst oder leiden unter Essstörungen, und fast täglich steigen die Zahlen derjenigen, die angeblich psychisch krank sind. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Menschen in diesem Land immer gestörter werden. Aber das ist nicht so, denn es ist nicht die Zahl der Kranken, die permanent steigt, es ist vielmehr die Zahl der Diagnosen, die die Ärzte stellen.

Sind wirklich immer mehr Menschen magersüchtig?

Es sind die Krankenkassen, die in regelmäßigen Abständen Alarm schlagen, wie jetzt wieder die Barmer-GEK in Sachsen. Nach Ansicht der Krankenkasse ist der Zahl der Magersüchtigen im Zeitraum zwischen 2009 und 2015 um 50 % angestiegen, aber stimmen diese Zahlen auch tatsächlich mit der Realität überein? In der Regel nicht, denn wenn eine Krankenkasse die Diagnose stellt, dann ist das keine Auskunft, auf man sich verlassen kann. Es verhält sich vielmehr so, dass Krankheiten wie Magersucht früher unentdeckt blieben, heute, wo das Krankheitsbild bekannt ist, wird die Krankheit auch häufiger diagnostiziert.

Die Versorgung ist besser geworden

Psychische Erkrankungen waren früher ein Tabuthema, heute wird so offen wie nie darüber gesprochen, und das ist auch ein Grund für die steigende Zahl der Diagnosen. Das die Ärzte gegenüber Erkrankungen der Seele sensibler geworden ist, verändert die Statistiken ebenfalls und da es immer mehr Therapeuten gibt, steigt logischerweise auch die Zahl der Patienten, die psychisch krank sind. Allerdings fällt in diesem Zusammenhang immer wieder auf, dass in Regionen, in denen es nur wenige niedergelassene Psychotherapeuten gibt, auch deutlich weniger die Diagnose psychisch krank gestellt wird.

Kein Anstieg

Es sind die repräsentativen Umfragen in der Bevölkerung und die Studien die zu einem anderen Ergebnis kommen als die Krankenkassen. Nach diesen Erhebungen hat die Zahl der psychisch kranken Deutschen in den vergangenen 30 bis 40 Jahren nicht zugenommen, und zwar weder bei den Erwachsenen noch bei den Jugendlichen und Kindern. Soziologen sehen in dem vermeintlichen Anstieg der psychischen Krankheiten mehr als Zahlen, sie sehen darin auch eine stetig zunehmende Kritik an der Gesellschaft.

Bild: © Depositphotos.com / photographee.eu

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Autor(in)

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

1 Kommentar

  1. Avatar
    Yvonne

    Ich denke, dass die Anzahl psychischer Erkrankungen in Deutschland sehr wohl zunimmt. Die gesetzlichen Krankenkassen verzeichnen einen starken Zuwachs an Fehltagen auf der Arbeit wegen psychischer Krankheiten. In den vergangenen 11 Jahren betrug die Steigung mehr als 97 %. Man hat sicher vor 2, 3, 4 oder 5 Jahren schon genauso offen über Depressionen, Burnout, Essstörung & Co. geredet wie heute. Ich denke, dass die hohen Anforderungen in der Arbeitswelt und der zunehmende Stress Spuren hinterlassen. Viele ertragen den Druck einfach nicht und brechen darunter zusammen. Überall steigen die Preise. Man arbeitet letztendlich, bis man zusammenbricht. Leben geht anders. Essstörungen unter Jugendlichen nehmen zu, weil sie nur magere Schauspielerinnen, Sängerinnen und Werbefiguren vorgesetzt kriegen. Eine normale Figur hat doch heute niemand mehr. Dieser dauernde Zwang, schön und erfolgreich sein zu müssen, führt dazu, dass sie sich nach dem Essen den Finger in den Hals stecken. Das hat in den 1940ger Jahren garantiert kein Mensch gemacht.

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