Stilldemenz – Gibt es das wirklich?

Stilldemenz – Gibt es das wirklich?

Die Hälfte des Einkaufs vergessen? Die EC-Karte im Laden liegen lassen? Und dann noch die Frage: Ist das Bügeleisen noch an? Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt sind sehr viele Mütter recht vergesslich, haben zum Teil sogar einen regelrechten Black-Out. Bekannt ist dieses Phänomen auch als Stilldemenz. Doch was hat es damit auf sich? Gibt es eine Stilldemenz wirklich?

Zunächst die „positive“ Nachricht: Die Stilldemenz bilden sich Mütter nicht ein. Studien konnten zeigen, dass die Konzentrations- und auch Gedächtnisleistung vieler Mütter während der Stillzeit vermindert ist und ihr Erinnerungsvermögen etwa dem einer 60jährigen entspricht. Allerdings handelt es sich dabei um keine Krankheit, weshalb Mütter ganz entspannt bleiben können. Etwa nach einem Jahr „arbeitet“ das Gehirn wieder auf dem normalen Level.

Was genau ist Stilldemenz eigentlich?

Der Begriff „Demenz“ wird aus dem lateinischen Begriff „demens“ abgeleitet. Er bedeutet in etwa so viel wie „abnehmender Verstand“ oder auch „ohne Geist“. Das Denkvermögen, das Kurzzeitgedächtnis sowie Sprache und Motorik sind in der Regel davon betroffen.

Mitunter treten die Symptome einer Demenz – vorrangig vor allem Vergesslichkeit sowie allgemeine kognitive Einschränkungen – schon bei werdenden Müttern und kurz nach der Entbindung auf. Der Begriff Stilldemenz hat sich in Deutschland mittlerweile durchgesetzt, obwohl er bei Medizinern natürlich sehr umstritten ist.

Wo liegen die Ursachen für eine Stilldemenz?

Es hat weniger mit einer echten Demenz oder einer Erkrankung des Gehirns zu tun, wenn frischgebackene Mütter in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt des Kindes sehr vergesslich sind.

Die Stilldemenz, die teilweise auch als Wochenbettdemenz bekannt ist, hat eher hormonelle Gründe oder kann auf Vitamin- und Schlafmangel zurückgeführt werden. Anders als bei einem echten demenziellen Syndrom verschwinden die Symptome einer Stilldemenz nach einiger Zeit wieder. Sie müssen auch nicht medikamentös behandelt werden.

Ursächlich für die Entstehung einer Stilldemenz ist vor allem das Hormon Kortisol. Es sorgt zum einen für das Einschießen der Muttermilch und zum anderen dafür, dass die Mutter den Geburtsschmerz der Entbindung vergisst. Der Kortison-Level ist deshalb bei frischgebackenen Müttern sehr hoch. Hinzu kommt oft auch ein Vitaminmangel, denn durch das Stillen werden der Mutter wichtige Vitamine und Mineralien (z. B. Folsäure) entzogen. Stilldemenz tritt dann auf, wenn das Gehirn mit diesen Stoffen nicht ausreichend versorgt wird. Deshalb wird deren Aufnahme auch während der Stillzeit empfohlen. Auch der Schlafmangel wirkt sich natürlich aus, belastet er Mütter doch gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt zum Teil extrem. Generell wirkt sich zu wenig Schlaf negativ auf die Leistung des Gedächtnisses aus, die Regeneration der Gehirnzellen in der Nacht wird durch die ständige Schlafunterbrechung – vor allem in der Phase des Tiefschlafs – verhindert. Dadurch ist das Gehirn nicht ausgeruht, die Mutter startet unausgeruht und völlig zerschlagen den Tag.

Was gegen die Vergesslichkeit hilft

Die Auswirkungen einer Stilldemenz lassen sind zumindest verringern. Hierfür gibt es unterschiedliche Methoden und Tricks. Gedächtnistraining hat sich dabei als besonders sinnvoll erwiesen. Das so genannte Basis-Gedächtnistraining kann hier den gewünschten Erfolg bringen. Es besteht aus Denksportaufgaben, wie sie in vielen Zeitschriften zu finden sind (z. B. Kreuzworträtsel, Sudoku). Auch tägliche Spaziergänge sind hilfreich und verbinden außerdem das Nützliche mit dem Angenehmen. So können Mütter eine Liste mit Tagesaufgaben schreiben und diese dann mit zum Spaziergang nehmen, bei dem sie die einzelnen Posten auf dem Zettel mit bestimmten Gegenständen verknüpfen. Bestenfalls werden auf dem Rückweg die „Merkpunkte“ noch einmal abgelaufen, um sie zu festigen.

Grundvoraussetzungen für ein gutes Gedächtnis: Vitamine und Schlaf

Einem Vitaminmangel lässt sich mit Hilfe einer ausgewogenen Ernährung sehr gut vorbeugen.

Schlafmangel lässt sich vermeiden oder zumindest reduzieren, indem das Stillen so einfach wie nur irgend möglich gestaltet wird (z. B. liegend stillen). Gerade in den ersten Wochen ist es oft sehr hilfreich, das Kind deshalb mit im elterlichen Schlafzimmer schlafen zu lassen und in der Nacht nur gedimmtes oder besser gar kein Licht einzuschalten. Nach dem nächtlichen Stillen findet nicht nur das Kind, sondern auch die Mutter wesentlich besser wieder in den Schlaf, der für fitte Gehirnzellen sorgt.

„Stilldemenz“ nicht nur bei stillenden Mamas

Die Stilldemenz – also die Vergesslichkeit – betrifft nicht nur stillende Mamas, auch wenn der Begriff das vermuten lässt. Aber auch Fläschchenmamas kennen dieses Problem, denn auch sie leiden unter Schlafmangel und auch Stress in den ersten Monaten nach der Geburt ihres Kindes. Selbst Männer können unter Stilldemenz leiden, wenn sie unter Schlafmangel leiden.

Bild: © Depositphotos.com / Reanas

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Schwanger Aktuell

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