In der Debatte um Sozialausgaben fordern Arbeitgeber umfassende Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung von bis zu 50 Milliarden Euro jährlich, um Beiträge und Lohnnebenkosten zu senken. Zu den Vorschlägen gehört unter anderem die Abschaffung der Beitragsfreiheit für mitversicherte Ehepartner sowie die Wiedereinführung einer Kontaktgebühr für Arztbesuche, um überflüssige Konsultationen zu vermeiden. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger betont die Notwendigkeit von Strukturreformen, um ein nachhaltiges und bezahlbares Gesundheitssystem zu schaffen.
Berlin () – In der Diskussion um die Sozialausgaben schlagen die Arbeitgeber radikale Milliardeneinsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung vor. Damit ließen sich die Beiträge und die Lohnnebenkosten erheblich senken und die Kassenausgaben um bis zu 50 Milliarden Euro im Jahr verringern, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) unter Berufung auf ein noch unveröffentlichtes Positionspapier der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und eigene Berechnungen.
Besonders brisant: Der Verband fordert der FAZ zufolge unter anderem ein Ende der Beitragsfreiheit für mitversicherte Ehepartner, die keine oder nur geringe Einkommen erzielen. Sie sollten künftig den Mindestbeitrag von rund 220 Euro im Monat für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) selbst aufbringen, berichtet die FAZ. Allein dadurch erwarten die Arbeitgeber dem Blatt zufolge Mehreinnahmen der Kassen von 2,8 Milliarden Euro im Jahr. Das wäre ein Bruch mit dem bisherigen System der Familienversicherung.
Laut FAZ wollen die Arbeitgeber auch die 2013 abgeschaffte Praxisgebühr von zehn Euro in veränderter Form wieder einführen. Diese „Kontaktgebühr“ fiele nicht nur, wie früher, einmal im Quartal an, sondern bei jedem Arztbesuch. Damit ließen sich unnötige Konsultationen vermeiden und die Patienten besser steuern, heißt es in dem Papier. Eine Ausweitung der Selbstbeteiligung führe zu einem Einsparpotenzial von bis zu drei Milliarden Euro im Jahr, schreibt die Zeitung.
Zudem fordern die Arbeitgeber, die Mehrwertsteuer auf Arznei- und Hilfsmittel auf sieben Prozent zu senken, wodurch 5,3 Milliarden Euro im Jahr frei würden. Es sei nicht begründbar, warum Medikamente höher besteuert würden als Süßigkeiten, Katzenfutter oder Tiermedikamente, zitiert die Zeitung aus den „Vorschlägen der Arbeitgeber für eine Gesundheitsreform 2026“. Neu ist in dem Forderungskatalog auch, dass gesetzlich Versicherte von den Ärzten für jede Behandlung einen Abrechnungsbeleg erhalten sollen. Diese „Patientenquittung“ muss nach Ansicht der Arbeitgeber automatisch in die elektronische Patientenakte eingestellt werden, um mehr Transparenz über die Leistungen und Kosten herzustellen.
Zusammen mit weiteren Forderungen summieren sich die Einsparmöglichkeiten in einem „optimistischen Szenario“, nach FAZ-Berechnung auf 50 Milliarden Euro. In einem „realistischen Szenario“ belaufen sich die Einsparungen laut FAZ auf 30 bis 40 Milliarden Euro. Nach Kalkulationen der Zeitung ließen sich die jährlichen GKV-Ausgaben damit um zehn Prozent verringern. Dadurch sei eine Senkung der Beitragssätze um 1,5 bis 2,0 Prozentpunkte möglich.
Dann müssten Arbeitgeber und Arbeitnehmer für den allgemeinen und für den Zusatzbeitrag nicht mehr wie derzeit durchschnittlich 17,5 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens an die Kassen zahlen, sondern nur noch 15,5 bis 16 Prozent. Zuletzt hatte der Gesamtbeitragssatz vor zehn Jahren 15,5 Prozent erreicht.
Die Einsparungen betrügen laut FAZ für Einkünfte bis zu Beitragsbemessungsgrenze für den Arbeitgeber und für den Arbeitnehmer jeweils zwischen 41 und 55 Euro im Monat. In dem optimistischen Szenario, in dem die Unternehmen und die Beschäftigten je 25 Milliarden Euro weniger einzahlen müssten, wäre sogar eine Senkung des Beitragssatzes auf 15 Prozent möglich. So gering war er zuletzt vor 20 Jahren. Die monatliche Einsparung betrüge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Maximalfall je 69 Euro, so die FAZ.
„Es fehlt der gesetzlichen Krankenversicherung nicht an Geld, sondern am richtigen Einsatz der Mittel, das muss sich ändern“, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger der FAZ. „Wir brauchen jetzt den Mut zu nachhaltigen Strukturreformen, keine kurzfristige Flickschusterei.“
Dulger verwies auf die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte „Finanzkommission Gesundheit“ zur GKV-Reform, die bis März 2026 Reformvorschläge vorlegen soll. „Dafür bringen wir klare Vorschläge ein“, kündigte der BDA-Präsident an. „Die viel zu hohen Beitragssätze dürfen nicht noch weiter steigen und müssen baldmöglichst wieder sinken.“
Das Ziel sei ein faires Gesundheitssystem, das effizient, leistungsfähig und für alle bezahlbar bleibe. „Wir Arbeitgeber fordern daher eine Konzentration auf eine bedarfsgerechte Krankenhauslandschaft, mehr Effizienz und Wettbewerb und eine Stärkung der Eigenverantwortung.“
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Behandlungszimmer beim Arzt (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Namen von Personen werden im Beitrag genannt?
Rainer Dulger, Nina Warken
Welche Firmen, Behörden oder Organisationen werden erwähnt?
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), gesetzliche Krankenversicherung (GKV), Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), Finanzkommission Gesundheit
Zu welchem Zeitpunkt hat sich das beschriebene Ereignis zugetragen?
Nicht erwähnt.
An welchem Ort findet die geschilderte Handlung statt?
Die Orte, an denen das beschriebene Ereignis stattfindet oder stattfand, sind: Berlin.
Wie lässt sich der Inhalt des Beitrags in einem einzigen Satz zusammenfassen?
Arbeitgeber fordern in einem Positionspapier radikale Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung, darunter das Ende der Beitragsfreiheit für mitversicherte Ehepartner und die Wiedereinführung einer Kontaktgebühr, um die Ausgaben um bis zu 50 Milliarden Euro jährlich zu senken und die Beitragssätze signifikant zu reduzieren.
Was war der ausschlaggebende Anlass für das Geschehen?
Der Hintergrund des beschriebenen Ereignisses ist die steigende Belastung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die damit verbundenen hohen Beitragssätze. Arbeitgeber fordern radikale Einsparungen und Reformen, um die Lohnnebenkosten zu senken und die Effizienz im Gesundheitswesen zu erhöhen. Die Vorschläge zielen darauf ab, die Ausgaben um bis zu 50 Milliarden Euro jährlich zu reduzieren, um eine nachhaltige finanzielle Entlastung sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer zu erreichen.
Wie haben Medien, Politik oder Bevölkerung darauf reagiert?
Im Artikel wird berichtet, dass die Arbeitgeber radikale Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung fordern, um die Beiträge und Lohnnebenkosten zu senken. Es wird erwartet, dass diese Vorschläge in der politischen Diskussion, insbesondere im Hinblick auf die von der Bundesregierung eingesetzte "Finanzkommission Gesundheit", geprüft und möglicherweise umgesetzt werden.
Welche möglichen Folgen oder Auswirkungen werden im Artikel angesprochen?
Die im Artikel erwähnten Folgen oder Konsequenzen sind:
Beitrags- und Lohnnebenkostensenkungen, Mehreinnahmen von 2,8 Milliarden Euro für die Kassen, Einsparpotenzial von bis zu drei Milliarden Euro durch Selbstbeteiligung, 5,3 Milliarden Euro frei durch gesenkte Mehrwertsteuer auf Arznei- und Hilfsmittel, Einsparungen von 30 bis 40 Milliarden Euro im realistischen Szenario, Senkung der Beitragssätze um 1,5 bis 2,0 Prozentpunkte, monatliche Einsparungen von 41 bis 55 Euro für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, mögliche Senkung des Beitragssatzes auf 15 Prozent im optimistischen Szenario, und Schaffung eines fairen, effizienten und bezahlbaren Gesundheitssystems.
Gibt es eine offizielle Reaktion oder ein öffentliches Statement dazu?
Ja, der Artikel zitiert eine Stellungnahme von Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. Er betont, dass es der gesetzlichen Krankenversicherung nicht an Geld, sondern am richtigen Einsatz der Mittel fehle, und fordert mutige Strukturreformen, anstatt kurzfristiger Lösungen. Dulger kündigt außerdem klare Vorschläge der BDA zur Senkung der hohen Beitragssätze an.
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