Ärztepräsident fordert von Bund und Kommunen mehr Schutz für Ärzte
Berlin () – Nach der Attacke auf einen Arzt der Uniklinik Düsseldorf fordert der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, ein Bündel an Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen.
„Die neue Bundesregierung und die Innenminister der Länder müssen dieser Entwicklung etwas Wirksames entgegensetzen. Angriffe auf Ärzte in Kliniken und Praxen, auf Rettungskräfte und auf Feuerwehrleute müssen schärfer bestraft werden“, sagte Reinhardt der „Rheinischen Post“ (Mittwochsausgabe).
Er fordert weiter: „Zur staatlichen Daseinsfürsorge gehört auch, dass Kommunen bei Bedarf private Sicherheitsdienste für Notaufnahmen in sozialen Brennpunkten finanzieren. Wo erforderlich, sollte auch die Polizei in den Kliniken und auf dem Klinikgelände stärker Präsenz zeigen, um schnell einschreiten zu können und um potenziellen Gewalttätern zu verdeutlichen, dass Kliniken ein besonders geschützter Raum sind.“
Zugleich fordert der Ärztepräsident: „Vor allem müssen Gewaltdelikte konsequent und unmittelbar verfolgt und geahndet werden. Ermittlungsbehörden und Gerichte brauchen darum die für die Strafverfolgung notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen. Erforderlich sind zudem zentrale Meldesysteme für Angriffe auf Einsatzkräfte und medizinisches Personal, auf denen die Betroffenen die entsprechenden Fälle unkompliziert anzeigen und so auch dokumentieren können.“
Reinhardt verweist auf die wachsende Bedrohung des medizinischen Personals: „Fast die Hälfte aller niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und ihrer Praxisteams war in den letzten fünf Jahren bei der Ausübung ihres Berufs mit körperlicher Gewalt konfrontiert. Unter den Krankenhausärzten berichten mehr als 40 Prozent, dass die Gewalt in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. Auch die polizeiliche Kriminalstatistik weist seit 2019 einen massiven Anstieg von sogenannten Rohheitsdelikten im Gesundheitswesen aus.“
Der Ärztepräsident mahnte: „Arztpraxen und Krankenhäuser sind Orte der Genesung und des Vertrauens. Für die dort Beschäftigten sind sie mitunter aber auch echte Gefahrenzonen. Die brutale Attacke auf einen Hausarzt in Spenge vor gut zwei Wochen und jetzt die Bedrohung eines Arztes mit einem Messer im Düsseldorfer Uniklinikum sind zwei aktuelle Beispiele. Die Taten müssen ein Weckruf an die Politik sein, Ärzte und andere Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen endlich wirksamer vor Gewalt zu schützen.“
Medizinisches Personal in einem Krankenhaus (Archiv)
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