Billie Eilish gibt Menschen mit Tourette-Syndrom eine Stimme

Billie Eilish gibt Menschen mit Tourette-Syndrom eine Stimme

Nach Schätzung von Experten leiden gut ein Prozent der Menschen weltweit unter dem sogenannten Tourette-Syndrom, in sind es geschätzt 800.000 Betroffene. Diesen Menschen gibt die Sängerin Billie Eilish jetzt eine Stimme. In einer amerikanischen Talkshow sprach sie zum ersten Mal über ihre Erkrankung, deren Diagnose sie schon als bekommen hat.

Welche Probleme haben Menschen mit Tourette-Syndrom?

In der Talkshow beschrieb Billie Eilish sehr offen, wie es ist, unter dem Tourette-Syndrom zu leiden. Sie habe schon als Kind Tics gehabt, die für die Krankheit typisch sind. Dazu gehörte auch, ständig den aufzureißen oder mit den Augen zu blinzeln. Als sie älter wurde, so Billie Eilish, habe sie angefangen, mit den Ohren zu wackeln. Noch heute hat sie Probleme mit dem Licht im Studio, wenn sie ein Interview gibt. Dann zieht sie die Augenbrauen nach oben, knackt mit dem Kiefer oder verzieht das Gesicht. Die Tics fallen nicht weiter auf, aber für die erfolgreiche Sängerin sind sie sehr anstrengend. Wenn sie singt oder sich stark konzentriert, hören die Tics aber auf.

Verletzende Reaktionen

Lange Zeit hat Billie Eilish mit ihrer Erkrankung gehadert, heute kann sie das Tourette-Syndrom aber als Teil von sich akzeptieren. Gegenwärtig ist es nicht die Krankheit selbst, die ihr Probleme macht, sondern vielmehr die oft verletzende Reaktion der Menschen. Sie lachen über die Tics, die viele Menschen mit Tourette-Syndrom haben, weil sie denken, dass diese lustig sein wollen. Aus Sicht der Sängerin ist so etwas sehr kränkend. Es ist auch der Grund, warum sich Billie Eilish entschlossen hat, ihre Krankheit vor einem Millionenpublikum öffentlich zu machen. Sie will den vielen anderen Betroffenen damit Mut machen.

Was ist das Tourette-Syndrom?

Das Tourette-Syndrom ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die sich auch durch die Tics äußert, wie sie Billie Eilish beschreibt. Diese Tics treten vor allem am Anfang der Krankheit auf, später kommen dann bei vielen Betroffenen sowohl vokale als auch komplexe motorische Störungen dazu. Die Erkrankten schneiden Grimassen, sie zucken ständig mit den Schultern, berühren Gegenstände, verdrehen den Körper oder machen obszöne Gesten. Vor allem diese sogenannte Kopropraxie macht es den Betroffenen sehr schwer. Typisch sind auch die vokalen Tics, wie Schnalzen mit der Zunge, quieken, grunzen oder ein ständiges Räuspern. Komplex sind die vokalen Tics, bei denen Sätze praktisch herausgeschleudert werden, die keinen Zusammenhang ergeben. Schimpfwörter sowie Obszönitäten machen es den Menschen, die unter dem Syndrom leiden, deshalb nicht einfacher.

Welche Ursachen gibt es?

Das Tourette-Syndrom ist immer noch nicht ausreichend erforscht. Forscher vermuten, dass eine genetische Ursache dem Syndrom zugrunde liegt. So haben Kinder, deren unter dem Syndrom leiden, ein bis zu hundertfach höheres Risiko als die Kinder, die das Tourette-Syndrom nicht in der haben.

Fazit zu Menschen mit Tourette-Syndrom

Die Sängerin Billie Eilish muss sich, wie die vielen anderen Betroffenen, damit abfinden, dass es für ihre Erkrankung keine Heilung gibt. Was es gibt, sind verschiedene Therapieformen, die die Symptome lindern können, wie Entspannungsübungen oder verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze. In schweren Fällen ist eine medikamentöse Therapie eine mögliche Option. Wenn alles nichts zum gewünschten Erfolg führt, gibt es noch die sogenannte tiefe Hirnstimulation als eine Alternative bei der Behandlung des Tourette-Syndroms.

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Ulrike Dietz